
Schon Karl Valentin wusste: "Prognosen sind schwierig, vor allem, wenn sie die Zukunft betreffen." In einigen Bereichen des IT-Marktes sahen sich die Marktforscher in diesem Jahr bereits gezwungen, ihre ursprünglichen Wachstumsprognosen nach unten zu korrigieren. Die Hardwarepreise sinken und die Andeutungen einer weltweiten Rezession gehen auch an der IT-Branche nicht spurlos vorüber. Nicht so bei den IT-Services: Hier prophezeien beispielsweise die Analysten von Gartner weltweite Umsätze von 819 Milliarden Dollar in 2008, das entspräche einer Steigerung von 9,5 Prozent gegenüber 2007. Das eigentliche Outsourcing (IT Management und Process Management) sei dabei der Bereich, der am kräftigsten wachse und etwa 42 Prozent des Gesamtmarktes ausmache.
Glaubt man den Auguren, gelten diese positiven Nachrichten auch für Deutschland. Die Experton Group sagt ein Volumen von 15,6 Milliarden Euro in 2008 und bis 2010 durchschnittliche Wachstumsraten von jährlich 8,2 Prozent voraus. Als positiv deutet man auch die hohe Rate an erneuerten Outsourcing-Verträgen. Trotz des erwünschten und tatsächlichen Trends zum BPO (Business Process Outsourcing): Rund 70 Prozent des Marktvolumens entfallen nach wie vor auf das klassische Auslagern von Komponenten der IT-Infrastruktur. An dieser Dominanz wird sich aller Voraussicht nach nichts ändern. Auf die Anwendungs-Services entfallen derzeit etwa 22 Prozent Marktanteil. Beim BPO ist der absolute Markt mit unter einer Milliarde Euro relativ klein. Man nimmt aber an, dass dieses Segment in den nächsten Jahren zweistellig wachsen wird. Am häufigsten werden heutzutage Geschäftsprozesse im Personal- und Finanzwesen ausgelagert.
Ist also alles gut? Nicht ganz, denn einige Phänomene geben den Experten Anlass zur Besorgnis. Neben den erwähnten sinkenden Hardwarepreisen sei die Innovationsfreudigkeit bei den IT-Services zu gering. Dies liegt zum einen sicher daran, dass die Provider mit immer höheren Abschlägen rechnen müssen. Nach Ansicht des Unternehmensberaters Jochen K. Michels fallen die Preise je nach Dienstleistung zwischen 10 und 30 Prozent. Festgezurrt wird immer weniger, die Kunden sichern sich mit vertraglichen Anpassungsklauseln Flexibilität bei den Preisen zu. Die Laufzeiten der Verträge verkürzen sich. Erschwerend kommt die Marktdurchdringung durch osteuropäische Mitbewerber hinzu. Diese bieten gerade bei kleineren Services preiswerte Lösungen an. Und im Hintergrund stehen schon die Branchenfremde Giganten wie Google und Amazon bereit, die ihre Serverkapazitäten als SaaS (Software as a Services) anbieten.
Die Preisspirale nach unten mitlaufen wollen vor allem die großen IT-Provider nicht. Was also tun? Ein Ausweg ist die Positionierung als ubiquitärer Innovationspartner, der nicht nur einmal definierte Serviceleistungen liefert, sondern Geschäftsprozesse insgesamt zu optimieren sucht. Dafür ist allerdings Überzeugungsarbeit zu leisten, denn egal ob in Deutschland oder weltweit: Noch wollen die meisten Unternehmen durch das Outsourcing primär ihre IT-Ausgaben senken und mehr Kostentransparenz erreichen. Einen IT-Provider sensible Strukturen modifizieren zu lassen liegt nicht unbedingt nahe. Allerdings gilt moderne IT vielen Verantwortlichen als omnipotente Einflussgröße, mit deren Hilfe sich fast alles regeln lässt: Konzentration auf Kernkompetenzen, Erhöhung der Flexibilität, Reduktion von Kapitalbindung, Ausgleich von Standortnachteilen, Internationalität, die Liste ließe sich fortführen. So können externe Dienstleister doch in Genuss kommen als wichtiger Teil der Geschäftsstrategie wahrgenommen zu werden.